HERRENKUNST

Kritisch beäugt wird die Ausstellung Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen im Unteres Belvedere Wien, 22.10.2015 – 14.02.2016

Im Name der Kunst ist alles erlaubt?

Das Wiener Belvedere zeigt wiedermal eine Ausstellung mit Publikumswirksamkeit. Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen. Alles sehr schön. Zumindest scheinbar Die Frau als Projektionsfläche, als Dekor, als Ornament. Kleine Beitexte neben den Frauenportraits sollen „den Frauen endlich eine Stimme geben“, wie der Kurator Alfred Weidinger stolz bekannt gibt. Nunja. Eine Stimme bekommen sie, aber nicht ihre eigene. Es fühlt sich ein wenig so an, als ob die Ausstellung in den frühen 50er Jahren stattfinden würde.

Auch verhält sich das Belvedere wieder sehr zurückhaltend, soll heißen, verleugnend, wenn beispielsweise geschrieben wird: „Martha Hirsch floh mit ihrer Familie 1936 nach Australien.“ Vor wem und aus welchen Gründen will man offenbar lieber nicht erwähnen, sorgt ja nur für schlechte Luft. Auch die Schicksale vieler Damen die unter anderem als Mäzeninnen der Künstler wirkten, und oft aus dem jüdischen Großbürgertum stammten, werden nur in zensierter Form angerissen.

Und dann, die zweite Hälfte der Ausstellung: Fleisch. Nacktheit. Körper. Ihnen eingebrannte Erotik. Ja, auf dem Papier, an den Leinwänden. Aber in der Realität? Fleisch, ja. Aber keine Erotik. Wo sind all die vielversprechenden Körper in der Realität, auf den Straßen? Phantasien. Meist von Männern. Und fast immer handelt es sich dabei um weiße Männer mit großem Ego, die als Genies bezeichnet werden. Und dürfen sich im Namen der Kunst auch über jegliche Moralvorstellungen (das Wort Moral ist ein Lückenbüßer weil mir gerade kein besserer Begriff einfällt)erheben. Als wären sie immun. Das gefällt uns gar nicht.

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Egon Schiele, Junger Mädchenakt im ockerfrbigen Tuch, 1911

Einer dieser großen Künstler, Egon Schiele, trägt Ego sogar in seinem Namen. Schön und gut, niemand ist immun gegen Persönlichkeit und Charisma. Und ein großartiger Künstler ist er zweifelsohne. Aber warum immer diese jungen Mädchen in erotischen Posen? Warum diese Kinder so sexuell darstellen? Egon Schiele, der Nacktmaler. Damals, um 1900 liegt das Schutzalter bei 14 Jahren. Heute liegt es bei 16 Jahren. Die Mädchen die Egon Schiele in eindeutig sexuellen Posen gezeichnet hat, waren erst 12 und 13 Jahre alt. Kinder. Warum heißt es nie: Der große Künstler war ein Perverser mit Minderwertigkeitskomplex, der sich selbst mit Riesenpenis darstellt und obsessiv Sexszenen darstellt.

Ein Pornographie-prozess bringt ihn für ein paar Wochen ins Gefängnis. Was allerdings mehr eine produktive Schaffensphase darstellt, als eine Strafe und Schiele dazu veranlasst sich als Opfer der bürgerlichen Moralvorstellungen und Rebell zu inszenieren. Im Prozess geht es auch weniger darum, dass es sich bei den Opfern um Kinder handelt, als um Obszönität per se. Aber seine Freunde und Förderer setzen sich für ihn ein. Darunter auch Adolf Loos, der selbst Kinderschänder war. Loos war in Besitz von pornographischen Fotos von 5 und 6- jährigen Kindern und außerdem zeichnete und missbrauchte er 8- 10- jährige Mädchen in seinem Atelier. Durch einflussreiche Freunde die das Gerichtsurteil beschlossen, wurde Loos nie verurteilt. Dass Adolf Loos ein großartiger Architekt war, wird hier nicht angezweifelt. „Ornament und Verbrechen“ bekommt dennoch eine zusätzliche Färbung wenn man sich diese Taten vor Augen führt. Warum also nicht: Der große Architekt missbraucht seinen Einfluss und Ruhm um seinen pädophilen Neigungen zu frönen?

Vor allem seine Innenausstattungen und Schlafzimmergestaltungen sollten nicht nur nach ästhetischen Aspekten betrachtet werden, sondern auch nach moralischen. Das weiss-strahlende Schlafzimmer wird dabei beinahe zum Symbol eines Versuchs der Reinwaschung. Was nämlich darin vorging, und was aus diesen namenlosen Kindern wurde, danach fragt niemand.

KlimtLiegenderAkt.ca1912
Gustav Klimt, Liegender Akt, ca 1912

Auch Wiens Lieblingsstar Gustav Klimt malte oft minderjährige Mädchen in sexuellen Posen. Diese jungen Mädchen holten sich die Künstler ausschließlich aus der Unterschicht in ihr Atelier. Die feinen Damen der Gesellschaft werden selbstverständlich nicht nackt gemalt, geschweige denn in sexuellen Posen dargestellt. Also geht es auch um einen Klassenunterschied. Die feinen Damen will man ja nicht mit Syphilis anstecken, während es bei minderjährigen Mädchen aus der Unterschicht offenbar keinen Unterschied macht – die haben sowieso wenig Zukunftsaussichten. Warum also nicht: Der große Künstler war Erotomane und nutzte Mädchen aus der sozialen Unterschicht für seine erotischen Phantasien aus?

Ein ganzer Raum ist der weiblichen Masturbation gewidmet. Fehlt nur noch dass man Klimt und Schiele als Feministen bezeichnet weil der weibliche Orgasmus eines ihrer Lieblingsmotive ist.