NOW IT’S OVER. CHRISTIAN ROSA

Die GALERIE MEYER KAINER zeigt vom 20. 1. – 27. 2. 2016 unter dem Titel Now it’s over Werke des Wieners Christian Rosa. Bei der Eröffnung hatte anscheinend nicht nur die Sammlerin Ursula Stenzel (FPÖ) eine gute Zeit.


Nachdem die Wiener-Gerüchteküche angesichts der „Heimkehr“ des bis vor kurzem noch unbekannten Künstlers Chris Rosa nicht mehr zu brodeln aufhörte, kam unsere Phlegmatikerin nicht umhin, sich das Spektakel näher anzusehen. Obwohl sich der Künstler bei näherer Betrachtung als selbstbewusster Schaumschläger entfaltet, sind es doch die rahmenden Informationen zu seinem künstlerischen Werdegang, die Einsicht in die widersprüchlichen Machenschaften der gegenwärtigen Kunstszene-Maschinerie geben. Es folgt eine biographische Kurznotiz.

Wir weisen darauf hin, dass diese Informationen auf einfachste Weise nachzuverfolgen sind und selbst die renommierte Galerie Meyer Kainer leider ihrer Profession nicht glaubwürdig nachgeht. Das mag die potenten rechtskonservativen SammlerInnen ärgern – uns freuts!

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Installationsansicht in der Galerie Meyer Kainer.

Christian Rosa zeigt aktuell seine erste Einzelausstellung in Österreich, die Galerie Meyer Kainer eröffnet den Pressetext (Stand 10.2.2016) mit folgenden „Informationen“:
Christian Rosa wurde 1982 in Rio de Janeiro geboren und wuchs in Wien auf. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Daniel Richter, wo er 2012 graduierte. 2011 erhielt er den Walter Koschatzky Preis.

Befragt man nun das Archiv der Akademie der bildenden Künste Wien, in dem sämtliche Abschlüsse seit beinahe zehn Jahren dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht werden, so bleibt die Suche nach Chris Rosa, Christian Rosa ebenso wie Christian Rosa Weinberger ergebnislos. Durchforstet man die Datenbank nun nach Abschlüssen bei Daniel Richter, so bleibt man enttäuscht. Die gewissenhafte Recherche jedoch besteht – wie man in der universitären Laufbahn durchaus nachdrücklich lernt – aus der Überlistung der Suchmaschine: Jagt man nun demnach den dritten Fakt – Abschlussjahr 2012 – durch das Suchportal, bleibt die Suche ebenfalls ergebnislos. Bei aller Flexibilität der Suche drängt sich an dieser Stelle langsam aber sicher der Verdacht nach einer versehentlichen Lücke, einer Leerstelle oder mit Rosa gesprochen: einem Fehler im sonst so sorgfältig aufgearbeiteten Archiv der Akademie der bildenden Künste auf. Nach persönlicher Kontaktaufnahme mit der Studienabteilung bestätigt sich die Recherche: Alle Abschlüsse für das infrage kommende Zeitfenster sind ausnahmslos in der Online-Datenbank öffentlich einsehbar.

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Ja, das ist tatsächlich die liebe Ursula Stenzel. Dank an Noisey!

2011 erhielt Rosa den Walter Koschatzky Preis. Gewissenhaft gegoogelt, findet sich schnell das Archiv des besagten Preises, das auch nach der Preisverleihung online der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Liste der PreisträgerInnen 2011 lautet wie folgt: Loretta Stats, Kamen Stoyanov, Jochen Höller. Von Christian Rosa, Chris Rosa oder auch Christian Rosa Weinberger nach wie vor – keine Spur. Ebenfalls unter der Rubrik „Anerkennung durch Ankauf“ bleibt die Suche nach dem angeblichen Preisträger erfolglos.

Und so drängt sich langsam der Verdacht auf, dass es sich hier um kein Versehen und jedenfalls auch um keine „Information“ im klassischen Sinne handeln kann. Während das von Rosas angegebene Geburtsjahr bereits während der Eröffnung im engeren Kreis des Künstlers für lautstarkes Lachen sorgte und ebenfalls in Berichterstattungen (Die Zeit, 1. Februar 2016) in Frage gestellt wird, handelt es sich doch bei den restlichen Angaben um biographische Eckdaten, deren Fälschung den gesamten Werdegang des Künstlers brüchig werden lässt. Angesichts des vermeintlichen Erfolgs muss man erstaunt fragen, wann ausgerechnet die viel diskutierte Künstlerkarriere von der allseits eingeforderten Authentizität freigesprochen wurde. Von künstlerischer Strategie, etwa des Überschreibens oder Neuschreibens – wie das bei jenen Großen der Fall  ist, die Rosa offensichtlich in seinem Referenz-Nimbus funktionalisiert hat – kann hier wohl kaum die Rede sein. Erstaunlicherweise kann aber ebenso wenig ein konsequent inszenierter Exzess der Oberfläche beobachtet werden, der manch anderen Bad Boy der Kunstszene (zu Recht) zu seinem Erfolg geführt hat. Was dann (im Falle Rosas) noch übrig bleibt, ist das im Kunstkontext bestens bekannte Phänomen des fahlen Nachgeschmacks.

 

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Installationsansicht in der Galerie Meyer Kainer.